Marguerite Frey-Surbek (1886-1981)

Auszug aus: Lexikon zur Kunst der Schweiz

"Die ersten Kindheitsjahre verbrachte Marguerite Frey in Delémont. Ihr Vater war Forstmeister und entstammte einem alten Basler Ratsherrengeschlecht. 1893 zog die Familie nach Bern. Hier besuchte Marguerite zwei Jahre die Kunstgewerbeschule und wurde 1904–06 Privatschülerin von Paul Klee. Auf dessen Anraten Weiterbildung in Paris, wo sie zwischen 1906 und 1911 an der Académie Ranson bei Lucien Simon, Félix Vallotton, Maurice Denis und Edouard Vuillard studierte. In Paris lernte sie den Maler Victor Surbek kennen. 1914 Heirat und Gründung einer privaten Malschule in Bern, die sie bis 1931 gemeinsam leiteten. Frey wandte sich am Anfang vor allem der Figurenmalerei, namentlich dem Porträt, zu, später mehr der Landschaft und dem Stilleben. Im Frühling und Sommer arbeitete sie meist in Iseltwald am Brienzersee, sonst in Bern. Daneben zahlreiche Reisen und längere Aufenthalte in vielen Ländern Europas sowie in Amerika. Entscheidend war vor allem Kalabrien (1932), das sie neue Farbklänge finden liess. Die Künstlerin war auch sozial und politisch tätig; sie gründete den ersten Mädchenhort in Bern, half während des Krieges in Flüchtlingslagern, kämpfte für das Frauenstimmrecht, für den Schutz der Berner Altstadt und die Bewahrung der Brienzerseelandschaft. Sechs Jahre Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission. Seit 1906 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in der Schweiz, einige auch im Ausland. 1986 Gedächtnisausstellungen in Delémont und Steffisburg.

In den Pariser Lehrjahren nimmt Marguerite Frey in ihre dunkeltonige Malerei die Einflüsse der Impressionisten, der Fauves und Nabis auf. Nach 1932 wandelt sich ihre verhaltene Malweise mit den fliessenden dichten Farben und dem dämmrigen Innenraumlicht zu einer klaren, leuchtenden und kraftvollen Farbigkeit mit einer gleichzeitigen Betonung der linearen Struktur. Dennoch bleibt für Marguerite Frey das Malerische, das Spiel der Farben und des Lichtes, im Vordergrund. Ihre Bilder, mit weichen Konturen gemalt, haben eine warme sonnige Atmosphäre, ein luftiges Kolorit mit nicht selten kühn gesetzten Farbakkorden. Kräftige Pinselstriche verdichten sich zur nuancenreichen malerischen Fläche. Die Künstlerin richtet ihren Blick sowohl auf weite Landschaften als auch auf stille, intime Raumausschnitte.

Die Grafiken, Zeichnungen und Buchillustrationen, anfangs zahm und konventionell, in den 30er Jahren auf Umrisslinien beschränkt, werden immer freier bis hin zur stimmungsvollen Impression. Eine malerische Note, Klarheit und Empfindsamkeit prägen die Blätter, die oft zu thematischen Zyklen zusammengefasst werden. Die nach 1939 entstandenen Wandgemälde hingegen zeichnen sich durch eine Betonung des Linear-Zeichnerischen aus (Musik, Rhythmus, Tanz, Dicht- und Zeichenkunst in jugendlichen Gestalten, 1941, Bern, Treppenhaus der Gewerbeschule).

Marguerite Freys nachimpressionistische Malerei bleibt der sichtbaren Welt treu, mit einem besonderen Gefühl für deren stille Werte. Durch den klaren Bildaufbau und die leuchtende Farbigkeit wirken ihre Gemälde gleichzeitig ruhig und vital und erreichen in diesem Gleichklang eine besondere Harmonie.

Werke: Kunstmuseum Bern; Öffentliche Kunstsammlung Basel, Kunstmuseum; Schloss Spiez; Kunstmuseum Thun; Delsberg, Musée jurassien d’art et d’histoire; Musik, Rhythmus, Tanz, Dicht- und Zeichenkunst in jugendlichen Gestalten, 1941, Fresko, Bern, Treppenhaus Gewerbeschule."

Zita Caviezel-Rüegg, 1998

Marguerite, von VS 1965
Marguerite, von VS 1965

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